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Aus der Praxis

Wenn die Nachbarn sich beschweren: Lärm, Abfall und der Ton, der über den Ausgang entscheidet

Aus Erfahrungsberichten: Die meisten Airbnb-Konflikte im Mehrfamilienhaus beginnen nicht mit Lärm, sondern mit dem Gefühl, nicht gefragt worden zu sein.

19. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Woran Konflikte tatsächlich entzünden

Aus Erfahrungsberichten in Gastgeber-Gemeinschaften zeichnet sich ein Muster ab, das der Intuition widerspricht: Ausgelöst werden Beschwerden selten von einer lauten Nacht. Ausgelöst werden sie davon, dass jemand feststellt, dass in der Wohnung neben ihm ständig Fremde ein- und ausgehen, ohne dass ihm das jemand gesagt hat.

Die laute Nacht ist dann der Anlass, nicht die Ursache. Das erklärt, warum dieselbe Störung in einem Haus zu einem Gespräch führt und im anderen zu einer Anzeige.

Praktisch heisst das: Der wirksamste Zeitpunkt für die Nachbarschaft liegt vor der ersten Buchung. Ein Klingeln, eine kurze Erklärung, eine Telefonnummer für den Fall, dass etwas ist — das kostet einen Nachmittag und verhindert mehr als jede Hausordnung.

Was Nachbarn wirklich stört

Nicht der Lärm um 23 Uhr steht in den Berichten obenan, sondern drei unspektakuläre Dinge.

  • Der Abfall. Gäste kennen die Trennvorschriften nicht und die Abholtage nicht. Ein falsch gefüllter Container ist im Mehrfamilienhaus ein grösseres Ärgernis als eine laute Stimme im Treppenhaus, weil er jeden betrifft und tagelang sichtbar bleibt.
  • Das Treppenhaus zu ungewöhnlichen Zeiten. Rollkoffer auf Steinstufen um fünf Uhr morgens sind lauter als eine Party und treffen die Nachbarn im Schlaf.
  • Die Waschküche. Wo sie gemeinschaftlich ist und nach Plan genutzt wird, ist Gästewäsche ein Dauerkonflikt. In Häusern mit Waschplan gehört die Gästewäsche ausserhalb — auswärts gewaschen oder mit einer eigenen Maschine in der Wohnung.

Der Ton, der über den Ausgang entscheidet

Kommt eine Beschwerde, entscheidet die erste Antwort über den Rest. Zwei Fehler sind aus den Berichten deutlich: die Beschwerde bestreiten, und sie mit dem Reglement beantworten.

Bestreiten kostet die Möglichkeit, den Fall klein zu halten. Wer eine Störung abstreitet, die stattgefunden hat, verliert für alle künftigen Fälle die Glaubwürdigkeit.

Mit dem Reglement antworten — «ich darf das» — ist rechtlich mitunter richtig und praktisch die schlechteste Antwort. Es macht aus einem Nachbarschaftsproblem einen Rechtsstreit, und in dem gewinnt niemand, der im selben Haus wohnt.

Was in den Berichten funktioniert: die Störung anerkennen, die konkrete Massnahme nennen, und eine Nummer geben. Nicht «das kommt nicht wieder vor», sondern «ich habe die Anreise nach 22 Uhr gesperrt, und wenn wieder etwas ist, rufen Sie mich direkt an».

Häufige Fragen

Die Störung anerkennen, eine konkrete Massnahme nennen, eine direkte Telefonnummer geben. Aus Erfahrungsberichten sind zwei Antworten besonders schädlich: die Beschwerde bestreiten, und mit dem Reglement antworten. Bestreiten kostet die Glaubwürdigkeit für alle späteren Fälle. Mit «ich darf das» zu antworten ist rechtlich mitunter richtig und praktisch die schlechteste Wahl — es macht aus einem Nachbarschaftsproblem einen Rechtsstreit, und den gewinnt niemand, der im selben Haus wohnt. Wirksam ist Konkretheit: nicht «das kommt nicht wieder vor», sondern welche Regel Sie geändert haben.

Nicht der Lärm, sondern drei unspektakuläre Dinge. Der Abfall: Gäste kennen Trennvorschriften und Abholtage nicht, und ein falsch gefüllter Container betrifft alle und bleibt tagelang sichtbar. Das Treppenhaus zu ungewöhnlichen Zeiten — Rollkoffer auf Steinstufen um fünf Uhr morgens sind lauter als eine Party und treffen die Nachbarn im Schlaf. Und die gemeinschaftliche Waschküche, wo nach Plan gewaschen wird. Der eigentliche Auslöser liegt aber davor: das Gefühl, nicht gefragt worden zu sein. Ein Gespräch vor der ersten Buchung verhindert mehr als jede Hausordnung.

Ein einzelner Nachbar nicht direkt, aber er kann Verfahren auslösen, die dasselbe Ergebnis haben. Bei Stockwerkeigentum kann er einen Beschluss der Gemeinschaft anstreben oder sich auf bestehende Reglementsbestimmungen zur gewerblichen Nutzung berufen. Bei Mietverhältnissen kann er die Verwaltung informieren. Und er kann die Gemeinde auf eine allenfalls fehlende Nutzungsbewilligung hinweisen — das ist in der aktuellen Zürcher Lage der wirksamste Weg. Deshalb ist ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft kein Nettigkeitsthema, sondern Risikovorsorge.

Quellen

Stand der Recherche: 19. Juli 2026. Amtliche Regelungen ändern sich — prüfen Sie den aktuellen Stand bei der zuständigen Stelle.